Univ.Prof. Pierre Brocheux (Paris):
Ho Chi Minh, ein Mann, der Geschichte machte, aber ihre Folgen nicht kennen konnte

 

„Der Widerspruch ist das Wesen der Dinge“ (Lenin)

Zunächst möchte ich sagen, wie sehr ich mich durch die Einladung an diesem Symposium teilzunehmen geehrt fühle und ich bedanke mich dafür aus ganzem Herzen. Als mir Professor Kramer mitgeteilt hat, dass der Anlass für die Veranstaltung die 50igste Wiederkehr des Todestages von Ho Chi Minh sei, habe ich gedacht, dass es eine gute Gelegenheit wäre, um eine Position und eine Stellungnahme zur Thematik der Persönlichkeit und dem historischen Wirken von Ho Chi Minh zu präsentieren, die sowohl Ignoranz als auch Polemik hinter sich lässt. In einem gewissen Sinn bin ich zu einem solchen Unterfangen auch durch meinen Enkel ermutigt worden. Seine Geschichtslehrerin habe, so hat er mir gesagt, als sie im Unterricht gebeten wurde, den Schülern etwas über die historische Figur Ho Chi Minhs zu erzählen, es abgelehnt, dies zu tun. Dieser Mensch sei, so die Lehrerin, ein blutrünstiger Diktator und verantwortlich für den Tod von Tausenden seiner Mitbürger gewesen und daher sei es nicht der Mühe wert, sich mit ihm zu beschäftigen.

Ich habe sieben Jahre verbracht, den Spuren von Ho Chi Minh zu folgen, zu versuchen, seine Persönlichkeit zu erfassen und zu einer Einschätzung zu gelangen, welche Rolle er in der Geschichte gespielt hat. Sicherlich war Ho Chi Minh ein politischer Akteur, über dessen Leben und politischen Werdegang bei den vielen Jahren, die er im Untergrund und in Gefangenschaft verbringen musste, vieles immer noch im Schatten bleibt und sich einer gesicherten Dokumentation entzieht. Aber die Frustration des Historiker-Forschers, die vielen Geheimnisse des Lebens und des politischen Werdegangs von Ho Chi Minh nicht wirklich enträtseln zu können und die Überfülle von sehr spekulativen Interpretationen über sein politisches Wirken sind vor allem Folge des Personenkults, dessen Objekt und Opfer Ho Chi Minh in der letzten Phase seines Lebens geworden ist. Der Kult, der sich auf die Legende und den Mythos stützt, ist unerlässlich für die politische Mobilisierung einer Nation in deren Kampf um ihre Unabhängigkeit. Aber gleichzeitig bringt er eine Reduktion und Deformation der Wirklichkeit mit sich. Als Folge der Isolation der Persönlichkeit im Kontext der Kollektivität werden die Widersprüche, die den Reichtum einer Persönlichkeit ausmachen, ausgelöscht. In diesem Prozess der Ikonisierung wurde und wird Ho die Verantwortlichkeit für alle Entscheidungen der Partei und des politischen Regimes zugeschrieben. Er wird so zu einer totalitären Führungspersönlichkeit gemacht.

Dr. Jankowitsch hat mit Recht darauf verwiesen, dass das Schicksal und das politische Wirken Ho Chi Minhs nicht vom geopolitischen Kontext der Ära des Imperialismus des 19ten und 20ten Jahrhunderts getrennt gesehen werden kann. In Vietnam, das sich seit dem 10ten Jahrhundert immer wieder weitgehende Unabhängigkeit gegenüber dem chinesischen Großreich erkämpfen konnte und dann im 19.Jahrhundert vom französischen Kolonialismus unterworfen wurde, prägte der nationale Widerstand gegen die Unterdrückung durch ausländische Mächte seine ganze Geschichte. Der Widerstand gegen die Franzosen, den Ho Chi Minh als charismatische Führungspersönlichkeit organisierte und repräsentierte, basierte auf zwei politischen Grundkonzepten: Ho Chi Minh trat für eine evolutionäre reformistisch- modernistische Strategie im Kampf gegen die Franzosen und im Aufbau eines kommunistischen Staatswesen in Nordvietnam ein. Aber er war sich im Klaren , dass der französische Staat ungeachtet von dessen Devise „Liberté´, Egalité und“Fraternité“ niemals dazu bereit sein würde, das Regime der kolonialen Unterdrückung Vietnams aufzugeben. Daher verfolgte er auch eine revolutionäre Strategie, die auf den Einsatz von Gewalt setzte. Schon in seiner Tätigkeit in Frankreich in den 1920er Jahren, zuerst als Mitglied der sozialistischen Partei und dann in der von ihm mitbegründeten kommunistischen Partei war Lenin für ihn der beste Analytiker des weltweiten kolonialen Unterdrückungssystems und der beste Stratege des antikolonialen Kampfes. Für Ho Chi Minh hatte Lenin klar gemacht, dass der Kolonialismus als „das schwächste Kettenglied“ im Herrschaftssystem des Imperialismus, des „höchsten und letzten Stadium des Kapitalismus“ anzusehen und frontal zu bekämpfen sei.

In einem Gespräch mit dem US-amerikanischen Offizier Charles Fenn im Jahre 1945 -Ho Chi Minh versuchte in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs eine politische Allianz mit den USA gegen den Kolonialstaat Frankreich einzugehen, was ihm aber nur kurzfristig gelang- fasste Ho die Prinzipien seiner Strategie im Kampf für die Unabhängigkeit seines Landes zusammen: „Zuerst müssen Sie verstehen, dass das Erlangen einer Unabhängigkeit von einer Großmacht wie Frankreich eine sehr schwierige Aufgabe ist, die nicht denkbar ist ohne Hilfe von außen, nicht unbedingt durch Waffen, sondern vielmehr durch Ratschläge und Kontakte. Unabhängigkeit gewinnt man nicht durch das Werfen von Bomben und ähnlichen Strategien. Das war der Fehler, den viele Revolutionäre sehr oft machten. Man muss Unabhängigkeit erringen durch Organisation, durch Propaganda, Training und Disziplin. Man benötigt auch politische Überzeugungen, Prinzipien, praktische Analyse und man kann sogar sagen, eine Bibel. Der Marxismus-Leninismus verschaffte mir diese Grundorientierung.“

Ho Chi Minh, der im Alter von 21 Jahren seine Heimat verlassen musste, um der Verfolgung durch die französische Kolonialpolizei zu entkommen, ging nach einem längeren Aufenthalt in Frankreich im Jahre 1923 nach Moskau, wo er in die Dienste der 3. Kommunistischen Internationale, (Komintern) eintrat. Ho gehörte nun einer von Moskau geführten revolutionären Organisation an, die zwei Hauptziele hatte: erstens, die Befreiung der Arbeiter in den kapitalistischen Ländern und zweitens die Solidarität mit den vom imperialistischen System unterdrückten Menschen in den Kolonialgebieten.

Ho Chi Minh und die vietnamesische kommunistische Partei operierten unter einer dauernden Spannung zwischen Patriotismus und Internationalismus, zwischen Klassenkampf und nationaler Zusammengehörigkeit. Diese Spannung bestimmte die politische Entwicklung in Vietnam, wie sie sich im politischen Regime eines Einparteienstaates nach dem Sieg über die Kolonialmacht Frankreich herausbildete. Diese Spannung führte auch zu offenen Widersprüchen in der Regierung und im Politbüro in Hanoi. Sie war der Hintergrund der Kritik an Ho Chi Minhs „kleinbürgerlichen Nationalismus und Opportunismus“, wie sie von den „Jungtürken“ der Partei wiederholt vorgetragen worden ist. Und schließlich kann diese Spannung zwischen Patriotismus und der Verwirklichung eines radikalen Marxismus-Leninismus auch als Hauptgrund dafür angesehen werden, dass Ho Chi Minh mit Beginn der 1960er Jahre de facto aus den Entscheidungen in Partei und Regierung ausgeschlossen worden ist.

Mit seinem Eintritt in die Komintern war Ho in seiner Tätigkeit in der Sowjetunion und dann zunehmend in China, im Untergrund in Laos und im Norden Vietnams ein loyaler und disziplinierter kommunistischer politischer Akteur. In dieser seiner Eigenschaft gründete er im Jahre 1939 die kommunistische Partei Vietnams, die „Allianz für die Unabhängigkeit von Vietnam“(Việt Nam Đọc Lập Đông Minh Hội/ Viet Minh). Seine Initiative entsprach der von der Komintern auf ihren 7. Internationalen Kongress im Jahre 1935 beschlossenen Strategie: Der Klassenkampf sollte in den Hintergrund treten und eine Allianz aller demokratischen Kräfte gebildet werden, um den Faschismus in Europa und den japanischen Militarismus effektiver bekämpfen zu können. Die französische kommunistische Partei übernahm diese politische Linie im Jahr 1936, als sie der von dem Sozialisten Leon Blum gebildeten Volksfrontregierung beitrat. Auch in Indochina kam es zu einer Bildung einer Volksfrontorganisation, der „Demokratischen Front von Indochina“.

Als es Ho Chi Minh gelang, eine geeinte Front für die Befreiung seines Landes zu realisieren, pries er die „grandiose“ historische Vergangenheit Vietnams in einem langen Gedicht „Die Geschichte unseres Landes“ und folgte so dem Rat von Georgi Dimitrov, dem Präsidenten der Komintern, der den kommunistischen Delegierten aus den Kolonialgebieten empfohlen hatte: „Vertiefen Sie ihr Wissen über die vergangene Geschichte ihres Landes“. Die Gründung der Demokratischen Republik Vietnam im Jahre 1945 war das Ergebnis dieser Politik der patriotischen Einheit. Der Sieg der Widerstands gegen die französische Kolonialmacht angeführt von der Viet Minh unter Ho Chi Minh ermöglichte, auch wenn dieser nicht vollständig war, weil er zu einer Teilung des Landes führte, das Wiederaufleben der Nationalen Befreiungsfront von Südvietnam und die Wiedervereinigung des Landes im Jahre 1975.

Während dieser 30 Jahre war Ho Chi Minh, der den Sieg der Demokratischen Republik Vietnam über die USA und über das südvietnamesische Marionettenregime nicht mehr erleben sollte, die sinnbildliche und entscheidende Referenzfigur in dem Kampf für die Wiedervereinigung seines Landes. Niemals wurde er von seinen Landsleuten und auch nicht von seinen Gegnern als Agent Moskaus oder Pekings oder als Instrument des „kommunistischen Imperialismus“ betrachtet.

Der Kampf um die Erlangung der Unabhängigkeit war auch mit dem Aufbau eines sozialistischen Staatswesens verbunden. Am 2. September 1945 rief Ho Chi Minh in seiner Eigenschaft als Präsident einen unabhängigen demokratischen Staat in Nordvietnam aus: Doc lap và kiên quôc. Wer vom Staat spricht spricht von der Organisation der politischen Macht, der Instauration eines politischen Regimes. In der Theorie war der neue Staat eine demokratische Republik. In der Unabhängigkeitserklärung zitierte Ho Chi Minh Passagen aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in der französischen Verfassung von 1791. Aber der militärische Widerstandskampf gegen die französische Kolonialmacht dauerte neun Jahre (1945-1954) und schuf eine Ausnahmesituation, in der das politische Regime und die Realverfassung nur auf dem Papier als demokratisch zu bezeichnen war.

Und dies änderte sich auch nicht in der Periode, die auf die Unterzeichnung des Genfer Abkommens (1954) folgte. Als es klar wurde, dass die südvietnamesische Regierung, unterstützt von den USA nicht bereit war, die in dem Genfer Abkommen vorgesehenen landesweiten Wahlen, mit denen über das politische Regime in ganz Vietnam entschieden werden sollte, durchzuführen, begann sich die Regierung in Hanoi in den Jahren 1955-1960 auf den Krieg für eine Wiedervereinigung vorzubereiten. Dieser zweite Indochinakrieg war Teil des Kalten Krieges, in dem das sozialistische Lager den kapitalistischen Ländern gegenüberstand. Die Vorbereitung auf die Wiedervereinigung seitens Nordvietnam war nicht nur militärischer Natur. Entscheidend war auch der Ausbau der Wirtschaft und die Modernisierung der Gesellschaft. In seinen Aufenthalten in der Sowjetunion (1923/24 und 1934/38) wurde Ho Chi Minh Zeuge der dort stattfindenden rasanten Industrialisierung und der Kollektivierung der Landwirtschaft. Er bewunderte die Einrichtung der Kolchosen, in denen die Gleichheit und der Wohlstand der Bauern für ihn Beweis für die Überlegenheit de Sozialismus waren. Bei seinem zweiten längerem Aufenthalt in der Sowjetunion war er von der Herausbildung einer sozialistischen Elite durch die sehr positive Förderung der Jugend in ihren Schulen und Pionierlagern sehr angetan. Für Ho Chi Minh stellte ohne Zweifel die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung in der Sowjetunion ein vorbildhaftes Modell dar. Er ging davon aus, dass die Entwicklung der Sowjetunion sehr erfolgreich und stabil war und dass es unbedingt notwendig wäre, dieses Modell auch auf ein unterdrücktes und durch den Kolonialismus in seiner Entwicklung zurück gebliebenen Land wie Vietnam anzuwenden. 60 Jahre später gestand der kubanische Präsident Fidel Castro ein, dass er auch die selben Illusionen bezüglich der Solidität der Wirtschaft und der Gesellschaft der Sowjetunion gehegt hatte..

50 Jahre sind nun seit dem Tod von Ho Chi Minh vergangen. Bei der 200-Jahre-Gedenkfeier an die französische Revolution von 1789 erinnerte Vu Dinh Hoe, der in den Jahren 1946 bis 1960 die Funktion des Justizminister in der Regierung in Hanoi innehatte, daran, dass Ho Chi Minh darauf beharrte, das ein wiedervereinigtes Vietnam eine sozialistische Demokratie werden müsse, in der die Prinzipien der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ eine Verwirklichung finden würden. Vu Dinh Hoe führte dazu aus:“ Wir müssen uns an die dringliche Empfehlung von Präsident Ho erinnern, dass wir mit aller Konsequenz gegen das Monstrum eines totalitären sozialistischen Staates und des Sozialfeudalimus politisch agieren müssen.“ Dieser Hinweis erinnert uns an die Aussage Ho Chi Minhs in einem Interview mit dem amerikanischen Journalist Harold Isaacs im April 1959. Auf die Frage des Journalisten, ob Ho Chi Minh der Meinung sei, “ dass eine Ein-Parteien-Herrschaft eine gute Sache wäre“ antwortete Ho Chi Minh: „Es ist eine gute Sache, wenn die Partei gut ist, im anderen Fall ist es eine schlechte Sache“ (Newsweek 25.4. 1959).

Das Leben und das politische Wirken von Ho Chi Minh bringt uns zur Frage der Beziehung des Individuums zur Geschichte. Die Geschichte von Ho Chi Minh ist aufs engste verbunden mit der Geschichte seiner Nation, für deren Unabhängigkeit er sein ganzes Leben lang gekämpft hat. Ho Chi Minh hat Geschichte gestaltet und gemacht, aber er konnte nicht wissen, wie diese Geschichte sich nach ihm weiter entwickeln wird.

Ich möchte abschließend noch zwei Entwicklungen und Problembereiche ansprechen, die meiner Meinung die dialektische Beziehung zwischen Ho Chi Minh und der Kollektivität , wie sie durch die Nation, aber auch durch die kommunistische Partei Vietnams und durch das sozialistische Lager, angeführt von der Sowjetunion und China, gegeben war, besonders deutlich machen kann. So war für Ho Chi Minh eine Landreform in Nordvietnam mit dem Ziel einer gerechteren Aufteilung des Grundbesitzes und im zweiten Schritt eine Kollektivierung die entscheidende Aufgabe und Herausforderung für die Revolution in Vietnam. Er stemmte sich aber gegen die Anwendung des brutalen maoistischen Modells einer Landreform, die durch chinesische Berater in Nordvietnam durchgesetzt werden sollte, vor allem auch mit dem Argument, dass hier auch die Wiedervereinigung des Landes abgewartet werden sollte. Er beugte sich in dieser Frage aber schließlich der Mehrheit im Politbüro und dem Druck des kommunistischen Chinas. Diese Haltung trug ihm später den Vorwurf ein, dass er für die „Fehler“ in der Reform, die zu brutalen Maßnahmen gegen die besser gestellten Bauern geführt hatte, verantwortlich war. Ho Chi Minh, hatte vergeblich versucht, die Exzesse in der gewaltsamen Kollektivierung zu verhindern oder abzuschwächen. Im Jahre 1956 kam es dann zu dem offiziellen Eingeständnis, dass die kommunistische Partei mit ihrem Vorsitzenden Ho Chi Minh große Fehler in der Durchführung der Landreform gemacht hätten.

Der zweite Problembereich, in dem die Beziehung zwischen dem Individuum Ho Chi Minh und der Kollektivität, in diesem Fall der Führung der kommunistischen Partei nach dem Abtreten Ho Chi Minhs als Vorsitzender und politischer Entscheidungsträger, sehr einseitig und zu Ungunsten von Ho Chi Minh ausfiel, war die Manipulation des Testaments von Ho Chi Minh. Er hatte darin verfügt, dass nach einer Feuerbestattung seine Asche an vier Orten in Vietnam gelagert werden sollte, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihm so die letzte Ehre zu erweisen. Das Politbüro setzte sich über den letzten Willen Ho Chi Minhs hinweg und entschied, dass der Leichnam Hos einbalsamiert werden und später in einem marmornen Mausoleum ausgestellt werden sollte. Ein anderer Aspekt dieses Prozesses der manipulativen „Ikonisierung“ von Ho war, dass das Politbüro um den „Vater Vietnams“ aller normaler menschlicher Charakteristika und Schwächen zu entkleiden, alle Nachrichten über die Frauen, mit denen Ho Chi Minh verheiratet oder in engen Beziehungen gelebt hatte, unterdrücken ließ.

Als Ho Chi Minh nach Moskau kam und sich in den Dienst der Komintern gestellt hat, hat er das sowjetische sozialistische Modell voll und ganz übernommen. Sein politisches Leben und sein politisches Engagement erfolgte im Rahmen einer revolutionären Organisation, die sich nicht scheute, Gewalt anzuwenden, auch wenn er so viel er konnte Verhandlungen und Kompromisse einer Politik der Konfrontation vorzog.

Niemand hat Ho Chi Minh besser eingeschätzt als Liu Shaoqi (Präsident der Volksrepublik China, der als Nachfolger Mao Zedong gegolten hat, aber schließlich dann im Jahre 1968 „gesäubert“ wurde). Im Februar 1963 hat Liu Shaoqi eine scharfe Kritik an Ho Chi Minh vorgetragen, die im stalinistischen-maoistischen Universum mit einer totalen Verdammung gleichzusetzen war. Liu Shaoqi führte aus: „Ho Chi Minh hat sich immer noch nicht entschieden (mit China gegen die Sowjetunion Partei zu ergreifen). Er war immer ein Rechter. Als wir die Landreform umsetzten, hat er Widerstand geleistet. Er weigerte sich die Präsidentschaft der Arbeiterpartei zu übernehmen und zog es vor, außerhalb der Partei zu bleiben, um so als unparteilicher Politiker zu gelten. Später als Moskau darüber informiert worden ist, hat ihn Stalin scharf gerügt. Erst ab diesem Zeitpunkt war Ho dazu bereit, die Landwirtschaftsreform zu starten. Als der Krieg (gegen die Franzosen) beendet war, schwankte er zwischen der Entscheidung ein kapitalistisches oder ein sozialistisches Regime zu installieren. Es waren wir, die diese Entscheidung für ihn getroffen haben.“

*Report on the Struggle against the Revisionists cited by Yang Kuisong in New Evidence on China, Southeast Asia and the Vietnam War, International Workshop held in the University of Hong Kong, 11-12 January 2000.